Celler Stadtrat soll Rommel-Straße kippen

Nachdem es der Klein Hehlener Ortsrat abgelehnt hat, die nach den NS-Generälen Rommel und von Stülpnagel benannten Straßen umzubenennen, schlagen die Wogen der Entrüstung hoch. Kritiker sprechen von “ignoranter Stammtischpolitik”. Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende will gegen das Image vom “braunen Celle” ankämpfen: Jetzt soll der Stadtrat das Ortsrats-Votum revidieren.
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Die von Celles Oberbürgermeister und Teilen des Stadtrats geübte scharfe Kritik an der Mehrheitsentscheidung des Klein-Hehlener Ortsrats zur Beibehaltung der Namen Rommel- und Stülpnagelstraße erschüttert die AfD-Celle. Hier zeige sich erneut, dass Demokratie und Rechtsstaat wie ein roter Faden von der EU bis in die Kommune hinein inzwischen von den Altparteien mit Füßen getreten werden, ärgerte sich Thomas Ehrhorn, Vorsitzender der AfD-Celle, am Wochenende. Es könne nicht sein, dass Mende und Spitzenvertreter aus dem Rat eine demokratisch gefaßte Entscheidung des zuständigen Ortsrats nicht respektierten, sondern durch juristische Taschenspielertricks aushebeln wollten, nur weil sie ihnen inhaltlich nicht passe. „Eine besondere Unverschämtheit ist es, wenn der Oberbürgermeister in diesem Zusammenhang von einem ‘braunen Celle’ spricht. Damit beleidigt er die Bürger der Stadt und vor allem die Mitglieder des Ortsrates, die sich mehrheitlich für die Beibehaltung ausgesprochen haben, in schlimmster Art und Weise“, empörte sich Ehrhorn. „Diese Art der unzulässigen öffentlichen Diffamierung politisch Andersdenkender ist mir in der Tat nur aus der Zeit des braunen Celles während des dritten Reichs bekannt. Ich fordere deshalb eine offizielle Entschuldigung des Oberbürgermeisters für diese Entgleisung.“ Wenn Oliver Müller von der Linken zudem meine, die Entscheidung könne der Stadtrat kippen, weil sie im Ortsrat nicht einmütig gefallen sei, so sei er daran erinnert, dass in unserem Staat keine 99,9-Prozentmehrheiten zustande kommen müßten, anders als vielleicht in dem von den Linken angestrebten System. Der Versuch, anderer Ratsmitglieder, ihre Kritik auf ein politisch bestelltes Gutachten zu stützen, könne bestenfalls mit Naivität begründet werden. Auch inhaltlich sei die Entscheidung des Ortsrats Klein-Hehlen völlig in Ordnung. „Abgesehen davon, dass der Ortsrat vermutlich näher an den von einer Umbenennung betroffenen Anwohnern dran ist, als Stadtrat und Verwaltung, haben sowohl Rommel als auch Stülpnagel, die ihr Leben in dem Zusammenhang ließen, sich Hitlers Tyrannei entgegenzustellen, dafür jede Ehrung verdient“. Stülpnagel habe bekanntlich am 20. Juli 1944 als einziger Befehlshaber in seinem Bereich SS und Gestapo von der Wehrmacht verhaften lassen, um das NS-Regime auszuschalten. Hätten alle Eingeweihten an diesem Tage so gehandelt, hätte der Umsturz sogar funktionieren können, obwohl Hitler gar nicht getötet wurde. Damit wäre der ganzen Welt, vor allem auch den Juden und Deutschen voraussichtlich ein immenses Maß an Leid erspart geblieben. Rommel, der vermutlich im Vorhinein von den Umsturzplänen wußte, allerdings wohl für eine Verhaftung und gegen ein Attentat gewesen sei, habe sich im Nachhinein vor seine Untergebenen gestellt, die dem Widerstand angehörten. „Der Vollständigkeit halber will ich darauf hinweisen, dass aufgrund der nachwirkenden NS-Propaganda noch weit in die Bundesrepublik hinein die Beteiligten des 20.-Juli in weiten Bevölkerungsteilen als Verräter galten. Es war deshalb damals fortschrittlich von der Stadt Celle, Straßen nach diesen Männern zu benennen und nicht, wie von der Stadt jetzt in unsäglicher Form unterstellt, Ausdruck brauner Gesinnung“, ergänzte der Celler AfD-Vorsitzende. Für den Fall, dass sich der offensichtlich weitgehend ahistorische Celler Stadtrat, der gegen den Unsinn, die nach der herzöglichen Gießerei benannte Kanonenstraße umzubenennen, seinerzeit nicht eingeschritten sei, aber gegen den Klein-Hehlener Ortsrat durchsetzen könne, schlage die AfD-Celle als neue Namensgeber Henning von Tresckow, Werner von Haeften oder Caesar von Hofacker vor. Diese gehörten zum engsten Kreis der Hitler-Attentäter, so dass an deren Ehrwürdigkeit wohl niemand zweifeln könne.“